– Fenster schliessen –

Mein erstes Rennen
– Nürburgring 27.08.2006 –

Als ich am 1. März 2005 das erste Mal mit einem Motorrad fuhr, hätte ich nicht gedacht, dass ich fast genau 1 1/2 Jahre später ein Rennen mit dem gleichen Moped fahren würde! Aber so ist es jetzt doch gekommen. (Naja, es war im März 2005 fast das erste mal, 2 Jahre vorher hatte ich den Führerschein gemacht und bin ein paar Wochen mit einem auf 34 PS gedrosselten Moped rumgefahren.) Das erste mal im Regen, das erste Mal Nürburgring, das erste Rennen ....und..... der erste Crrrsssccchhhhhhh.....

Der Tag vor dem Rennen
Samstag morgen das Auto mit Sach' vollgestopft und schön das Moped verzurrt. Nochmal ein paar Bilder gemacht, in weiser Voraussicht optischer Veränderungen!

Dann sind wir samt Anhänger vor der endgültigen Abfahrt in Hockenheim nochmal zu unserem Lieblings-Restaurant gefahren, um lecker amerikanisch zu speisen. Hhmmmm.. Chicken Mc Nuggets und Big Mac!

Die Hinfahrt zum Ring war gediegen. Am Nürburgring dann war erstens das Wetter noch super-strahlend-sonnig und zweitens war dort einiges los! Nämlich ein Auto-Rennen (Autos sind solche Kisten in denen man sitzt und an einem Rad dreht und mit den Füßen tut man auch bisschen wackeln, das nennen die dann Rennen-Fahren!) um die Nordschleife, so ein Ausdauer-Rennen oder sowas. Wir ham uns mit Pierre auf dem Parkplatz vorm Fahrerlager-Eingang getroffen, ein bisschen dummes Zeug gelabert und mal die Umgebung erkundet.

Nach nem Rundgang zu Fuß durch das Lager der Fahrer, wo man die vielen Kästen mit Rädern anschauen konnte, ham wir unser Hotel bezogen, weil wir ins Lager der Fahrenden ja noch nicht rein durften! Außerdem war es eh so voll, dass wir auch noch garnicht rein wollten. Wie gesagt, kurz ins Hotel, Taschen ins Zimmer stellen, danach hat uns Pierre mitgezerrt in ne schöne Kneipe ums Eck des Hotels wo wir uns ganz klassisch Schniposa und lecker Hefeweizen gegönnt haben... (Ja ich weiß, morgens Mäcces, abends Schnitzl mit Pommes is jetzt nich DIE Sportlernahrung schlechthin...)

Als wir aus der Kneipe raus sind hat's natürlich in Strömen geregnet. Klar, denn jetzt mussten wir ja noch ins Fahrerlager, Moped abladen, zur technischen Abnahme, Pavillon aufbauen, usw.... Das wär ja blöd im Trockenen!

Als wir das alles gegen 23:33 Uhr erledigt hatten, brachen wir auf und fast zusammen Richtung nächtlicher Unterkunft!

Geschlafen hab ich 3 Stunden und diese schlecht. Ich war die halbe Nacht damit beschäftigt, nicht an morgen zu denken. Es hat aber nicht so geklappt, sodass ich es immer fester versuchte! Das strengte so an, dass ich dann wohl doch irgendwann eingeschlafen sein muss...


Sonntag – Renntag
Morgens ab zum Ring, im Fahrerlager das Motorrad fertig machen zum Rennen. Es war nass, also hatte ich die richtigen Reifen schonmal drauf, Wetter.com sei dank.
Das Seriensport-Regelement erlaubt leider keine normalen Regenreifen, darum greift der redliche Aufzünder zu den Kraft-Piloten (unlöblich: Pilot Power) von Michelin. Eben diese Reifen waren auch bei mir montiert und nun war ich drauf und dran, mal zu testen, ob sich die beiden runden nicht mal ein bisschen durch die Nässe in den Asphalt beißen wollen.


Start zur Dauerprüfung. In 80 Minuten sollte man bitte 29 Runden abspulen und einmal Tanken.
Die Strecke war in den ersten Runden noch nicht komplett nass. Es gab Stellen auf der Strecke, die nur feucht waren. Dadurch hab ich die Pilot Power ganz gut auf Temperatur bringen können. Nach ein paar Runden hat es angefangen zu regnen.

Mit dem warmen Reifen konnte man trotzdem ganz gut fahren, aber eine Stelle fand ich doch ziemlich heikel: Die Bremszone nach Start/Ziel auf die erste Kurve zu! Zumindest da, wo ich immer gebremst hab, nämlich außen, war es pervers rutschig. Da ist mir als es richtig nass war einmal das Vorderrad so weggerutscht, dass ich kurz dachte: das war's. Es hat sich aber wieder gefangen und von da ab hab ich die Kurve doch etwas früher angebremst.

Hinterher erfuhr ich, dass es innen besser gewesen wäre, doch dummerweise hab ich das während der Dauerprüfung garnicht ausprobiert... Hhmmm, vielleicht ein Anfängerfehler. So ging die Dauerprüfung dahin und als ich die 29 Runden zusammen hatte waren glaub ich noch ca. 18 Minuten auf der Uhr, also genug Zeit, um nochmal zu tanken.

Das lustige Tanken!
Ich fahr also in die Boxengasse an unsere Box 22, stell mein Moped ab und will tanken... Tja... Ich lauf in die Box rein, zieh erstmal Helm und Handschuhe aus und stelle fest, dass wir die Sprit-Kanister nicht vorher schonmal hingestellt hatten... Nee, die waren noch schön im Auto und das war natürlich abgeschlossen. Den Schlüssel müsste meine Freundin haben, nur wo is die??!

Bin halt mal bissl durchs Fahrerlager gelaufen und hab die Laura gesucht, während der Dauerprüfung. Da kam sie auch schon, sie war bei der Mercedes-Arena zum Zuschauen und hatte gemerkt, dass ich nicht mehr kam. Also Auto aufgeschlossen, Kanister raus und getankt. Helm an, Handschuhe wieder an und dann kommt's!!

Als ich wieder mit komplett durch die lange "Tank-Zeit" abgekühlten Reifen auf die Strecke fahre, um meine letzte Runde zu drehen und das Moped im Parc Fermé abzustellen, ist es mit den kalten Reifen im Nassen dermaßen rutschig, dass es mich gleich in der ersten Kurve fast hinfranzt. Woah!! Aber diesmal noch FAST. Ich eier also die Runde irgendwie zu Ende und stell das Moped im Parc Fermé ab.
Das war die Dauerprüfung....

Vor dem Start zum Sprintrennen, unterm Pavillon bei ner Tasse Kaffee frag ich mich noch, wie ich die Reifen bei den zwei Aufwämrunden zum Rennen im strömenden Regen warm bekommen soll. Das frage ich mich allerdings jetzt noch.

Zum Sprintrennen selbst braucht man aus meiner Sicht leider nicht viel zu sagen. Die Rote Ampel geht an, nach ein paar Sekunden wieder aus.

Start! Wir fahren alle los, ich hab sogar ein paar Leute überholt, vielleicht 2, 3 oder 4 auf den ersten paar hundert Metern. Aber beim Bremsen auf die erste Kurve seh ich: Hoppla, da vorne rutscht ein Moped auf dem Boden rum... Ich brems schonmal ein bisschen härter, komme dem inzwischen sehr langsam rutschenden Moped trotzdem immer näher, bremse noch fester... und.... ciao! Mein Vorderrad wurde plötzlich so müde, dass es sich unbedingt hinlegen wollte. Also nicht wie sonst, sondern wirklich... Und da gings dahin... Meine Kawa ist auf der Seitenverkleidung an dem anderen Moped links vorbei gerutscht und ich aufm Arsch hinterher. War eigentlich ganz lustig.
Nach der spaßigen Popo-Rutscherei bin ich natürlich sofort zu meiner Kleinen gehechtet, un eventuell doch noch weiterzufahren. Aber nein, es sollte nicht sein: Fußraste abgebrochen, Bremshebel abgebrochen... So kann ich nich fahrn, also nix wie den Bock von der Strecke schaffen, die Streckenposten warn schon da und schoben mit mir das Moped durch Kiesbett zu so nem Notausgang.
Ich stand dann noch kurz hinter der Leitplanke, wo ich auf den "Lumpensammler" (so nennt man die Abschlepper, welche die gecrashten Mopeds zurück zur Box bringen) gewartet habe und sah wie das Feld aus der ersten Runde kam... und kkkrrrrrssscccchhhhhhh..... rutscht der nächste auf der gleichen Stelle aus.... Sah bei dem eigentlich genau so lustig aus, wie es sich bei mir anfühlte.

Und das war also mein erstes Rennen. Kurz! Sehr Kurz! Schade! Ein Sturz musste eigentlich eh mal kommen, da hatte ich sowieso schon irgendwie mit gerechnet, aber in der ersten Runde gleich nach dem Start ist natürlich sehr ärgerlich. Ich wollte doch eigentlich mal ein bisschen Rennen fahren. Naja, was soll's, das nächste Rennen kommt bestimmt!

Zurück in der Box ham wir erstmal gemütlich Kaffee getrunken und Müsli gegessen.

Außerdem hat mir noch Dirk Schnieders – der spätere erneute Seriensport-Meister in der Klasse 1 – erzählt, dass ich doch an meiner Sturz-Stelle hätte mich nach innen orientieren sollen, weil es außen von dem Gummi, welches die Autos tags zuvor hingedrückt hatten sau-rutschig ist! Aha, schöner Tipp, den hätte ich vorher gebrauchen können. Das nächste Mal werd ich vor dem Rennen mal jemand nach Besonderheiten auf der Strecke fragen.

Insgesamt gesehen, war das ganze Wochenende sehr anstrengend, hat aber sehr viel Spaß gemacht. Ich hab viel gesehen und viel Erfahrung dazugewonnen. Das nächste mal versuche ich mal eine Rennrunde fertig zu fahren...

Text verfasst am 1. September 2006
mehr Bilder von diesem Wochenende unter >Bilder<

– Fenster schliessen –